VW ID Tiguan: In Zukunft mit Knopfdruck
Seit 2007 wurden über 8,3 Millionen Tiguan gebaut, womit das Modell laut Volkswagen derzeit die Verkaufsrangliste der Marke und des gesamten Konzerns anführt. Und auch ID 4 und ID 5 kommen zusammen seit 2021 auf mehr als 950.000 Exemplare. Der neue Name soll nun die vertraute Bestseller-Strahlkraft mit der elektrischen Erfahrung verbinden. Für Europa entsteht der Stromer in Emden, sein konventionell angetriebener Namensvetter weiterhin in Wolfsburg.
Optisch verabschiedet sich der ID Tiguan vom weicheren Crossover-Auftritt seiner Vorgänger. Gerade Linien, straffe Flächen und eine horizontal gegliederte Front sollen ihn erwachsener wirken lassen. Volkswagen nennt die Designsprache „Pure Positive“. Das klingt nach Motivationsseminar, meint hier aber ein SUV ohne demonstrativ aggressive Gesichtszüge. Die transparente Lichtspange vorn heißt intern „Aquarium“, die dreidimensionalen Rückleuchten werden „Whisky-Gläser“ genannt. Chefdesigner Andreas Mindt und seine Leute hatten offenbar selbst beim nüchternen Familienwagen ihren Spaß.
Mit 4,62 Metern Länge, 1,86 Metern Breite und 1,62 Metern Höhe bleibt der Wagen überschaubar dimensioniert. Der Radstand beträgt 2,77 Meter und übertrifft den des Tiguan mit Verbrennungsantrieb um 8,4 Zentimeter. Das soll den fünf Passagieren zusätzliche Beinfreiheit verschaffen. Für Gepäck stehen 534 Liter bereit, als maximales Ladevolumen nennt VW 1577 Liter. Ein zusätzlicher Frunk nimmt das Ladekabel auf, was im Alltag wichtiger als jede Lichtspielerei sein könnte.
Eine Kurskorrektur findet hinter den Türen statt. Die Klimafunktionen bekommen eine physische Tastenleiste, Lautstärke und Musikauswahl einen Dreh-/Drückregler in der Mittelkonsole. Und auch das Multifunktionslenkrad trägt wieder echte Tasten statt Touchflächen. Dazu kommt eine neu gestaltete Bedieninsel für die vier Fensterheber. Bei einer ersten Sitzprobe wirkte das alles jedenfalls schon mal vertraut und selbsterklärend.
Hinter dem Lenkrad sitzt nun wie schon ein zehn Zoll großes Instrumentendisplay, zentral ein 15-Zoll-Touchscreen. Optional ergänzt erstmals in einem europäischen Volkswagen ein zwölf Zoll großes Beifahrerdisplay das Ensemble. Ein Sichtschutzmodus soll verhindern, dass der Fahrer dessen Inhalte sieht. Der Beifahrer kann Unterhaltung und Spiele nutzen, den Ton über Bluetooth-Kopfhörer hören. Zwei optionale Qi2-Ladeschalen halten kompatible Smartphones per Magnetring in Position.
Wer zwischen diesen Displays Sehnsucht nach früher bekommt, kann sich die Instrumente – wie schon in ID Polo – im nostalgischen Look anzeigen lassen. Der vermeintliche Drehzahlmesser informiert dann über den Energiefluss. Für den zentralen Bildschirm stehen außerdem Ansichten von Golf I, Golf II Country, Golf IV, Tiguan I, Race Touareg und Käfer bereit. Beim Material verspricht VW weich gepolsterte Kontaktflächen und mehr Wertigkeit; recycelte Stoffe und eine vollständig recycelbare Schaumfolie gehören zum Konzept.
Technisch setzt das SUV auf MEB+ und drei Antriebsvarianten. Den Einstieg bildet ein Heckmotor mit 140 kW beziehungsweise 190 PS und einer netto 58 kWh großen LFP-Batterie. Darüber rangiert der Hecktriebler mit 210 kW (286 PS) und 77 kWh nutzbarer NMC-Batteriekapazität. Die ebenfalls 77 kWh große Allradversion leistet 220 kW (299 PS). Angeboten werden Trend, Life, Style und R-Line, letztere serienmäßig mit stärkeren Heckantrieb.
Die Reichweiten sind noch Prognosen: bis zu 450 Kilometer für den kleinen Akku, 600 Kilometer für den großen Hecktriebler und 560 Kilometer mit Allrad, jeweils nach WLTP. Auch die Sprintwerte bleiben vorläufig: 8,5, 6,6 und 6,3 Sekunden bis Tempo 100. Die Basis erreicht 160 km/h, die stärkeren Varianten 180 km/h. Wechselstrom laden alle mit maximal elf kW, Gleichstrom mit bis zu 105 beziehungsweise 165 kW. Für zehn bis 80 Prozent nennt VW etwa 26 beziehungsweise 29 Minuten. One-Pedal-Driving ist serienmäßig.
Der optionale Connected Travel Assist soll unter anderem assistierte Spurwechsel ermöglichen und an roten Ampeln stoppen. Komfortextras reichen von Massage und Sitzbelüftung bis zum 480-Watt-Soundsystem von Harman Kardon. Ein Adapter an der Ladebuchse versorgt externe Elektrogeräte, ein optionaler digitaler Schlüssel lässt sich weitergeben. Für Anhänger nennt VW bei acht Prozent Steigung bis zu 1,8 Tonnen für die Basis und zwei Tonnen für die stärkeren Varianten.
Unterm Strich setzt der ID. Tiguan weniger auf elektrische Exotik als auf vertraute Tugenden: Platz, verständliche Bedienung und alltagstaugliche Technik. Das klingt nach einer vernünftigen Neuaufstellung. Ob daraus ein überzeugendes Angebot wird, entscheiden allerdings erst Fahreindruck, tatsächliche Reichweite und Preis. Letzteren nennt Volkswagen bislang nicht. (aum)
Veröffentlicht am 09.10.2026
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