2020-09-21 12:01:00 Automobile

Wie sollte ein Stellplatz fürs Wohnmobil aussehen?

Der Bedarf an Reisemobil-Stellplätzen wächst aufgrund der immer weiter steigenden Zulassungszahlen der Freizeitfahrzeuge. Manch eine Gemeinde schreckt vor der Investition für ein solches Camp zurück, dabei ist eine Basisversorgung überaus kostengünstig zu realisieren. Das hat der Branchenverband CIVD (Caravaning Industrie Verband) auf dem Caravan-Salon diesen Monat in Düsseldorf mit drei Muster-Stellplätzen gezeigt. Das Interesse war gewaltig, auch die Politik hat mittlerweile erkannt, dass es sich bei der Urlaubsform Caravaning keineswegs um eine Eintagsfliege handelt. So informierten sich der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, und NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart vor Ort über die Potenziale dieses wachsenden Tourismuszweiges.

Die Muster-Stellplätze waren auf dem Freigelände zwischen den Hallen 9 und 17 zu besichtigen, und wurden in Kooperation mit dem ADAC und dem Deutschen Tourismusverband (DTV) eingerichtet. Das einfachste und kostengünstigste Angebot ist der Basic-Platz. Hierbei handelt es sich um einen einfachen Übernachtungsplatz unweit von Fernstraßen, bei Gaststätten oder Freizeitanlagen. Die Ausstattung ist oft rudimentär, es gibt keine fest installierten Stromanschlüsse und Frischwasserentnahmestellen. Manch eine Gemeinde bevorzugt diese Lösung, da die Nutzer für Ver- und Entsorgung meist eine Fahrt zum nächsten Camp unternehmen und Dauercampen unterbunden wird.

Als Standard sieht der CIVD teilweise parzellierte Stellplätze, die oft auf umgewidmeten Parkflächen angeboten werden. Zur Ausstattung zählen in der Regel Ver- und Entsorgungseinrichtungen sowie Stromanschluss, Müllbehälter und eine Infotafel zur Stellplatzorganisation. Während der Basic-Platz oft ohne Entgelt genutzt werden kann, erheben die Betreiber für besser ausgestattete Camps eine Gebühr. Zusätzlich muss in der Regel für Strom und Wasser bezahlt werden.

Premium-Plätze sind ebenfalls überwiegend parzelliert und landschaftlich attraktiv gelegen. Sie finden sich meist in der Nähe touristisch interessanter Ziele, etwa an den Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals in Kiel, am Fuß des Karwendel in Seefeld oder dem Nationalpark Bayerischer Wald bei Grafenau. Geboten werden hier immer häufiger Sanitäranlagen, Geschirrspülbecken, Waschmaschine, Wäschetrockner, WLAN, Brötchenservice und persönliche Gästebetreuung. Auch reguläre Campingplätze haben auf ihren Arealen mittlerweile sogenannte „Wohnmobil-Häfen“ angelegt, die unabhängig vom umzäunten Gelände angefahren werden können.

Innerhalb von nur drei Jahren ist die Zahl der Übernachtungen auf Stellplätzen um fast zwei Millionen gestiegen. Im Jahr 2016 wurden 9,7 Millionen Reisemobile auf den Plätzen gezählt, 2019 waren es bereits 11,6 Millionen. Die Zahl der Stellplätze ist in den vergangenen Jahrzehnten zwar kontinuierlich gewachsen, aktuell sind rund 4200 in Deutschland gelistet, dennoch kommt es während der Reisezeiten wie den Ferien und an langen Wochenenden in den besonders beliebten Regionen zu Engpässen. „Mit rund 15 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr bietet der Reisemobiltourismus Kommunalpolitikern, Touristikern und Investoren die Chance, sich einer neuen und attraktiven Herausforderung zu stellen“, sagt Hermann Pfaff, Präsident des CIVD. Die Ausgaben der Camper steigen unterdessen überproportional. Im Vergleich zu 2016 haben sie im vergangenen Jahr um 17,9 Prozent zugelegt.

Reisemobilurlauber sind eine kauffreudige und vor allem kaufkräftige Kundschaft. Die Statistik bestätigt, dass sie aktuell rund 50 Euro am Tag ausgeben. 80 Prozent von ihnen reisen zu zweit, fast die Hälfte verfügt je Haushalt über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 3000 Euro. Der Durchschnittspreis eines Wohnmobils liegt in Deutschland zurzeit bei rund 72.000 Euro. Allerdings sind die Camper auch anspruchsvoll beim Preis-Leistungsverhältnis. In den Stellplatzbewertungen im Internet gibt es häufig Kritik für hohe Preise und mangelhafte Angebote. Neben Sauberkeit und Funktionstüchtigkeit der Anlagen werden oft auch zu kleine Parzellen moniert. Der CIVD empfiehlt mit seinen Musterplätzen zehn mal fünf Meter für ein Basiscamp und zehn mal sechs Meter für einen Standardplatz. Die durchschnittliche Gebühr dafür liegt heute bei 14 Euro. (ampnet/mk)

Veröffentlicht am 21.09.2020

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Fotos: Auto-Medienportal.Net/Michael Kirchberger
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