Winnebago Boldt: Deutsch-amerikanischer Entdecker

Da war doch mal was mit Winnebago? Ja, der US-amerikanische Hersteller von Reisemobilen mit üppigen Abmessungen war mit einer im Saarland beheimateten Niederlassung vor Jahren auf dem deutschen Markt aktiv. Angeboten wurden auch europataugliche Mobile wie der bis 1992 gebaute Le Sharo auf Basis des Renault Trafic, im Jahre 1995 wurde der Rialta auf Basis des VW T4 präsentiert. Und auch Guido Westerwelle setzte beim Bundestagswahlkampf 2002 auf Winnebago und machte einen Elanté 37, gelb-blau in den Farben der FDP lackiert, als Guidomobil deutschlandweit bekannt. Jetzt nehmen sich die Amerikaner den Mercedes-Benz Sprinter vor.

Die Amerikaner verwandeln den Mercedes-Benz Sprinter der dritten Generation in ein Reisemobil für alle vier Jahreszeiten und für beinahe alle Reisewünsche. Der Modellname „Boldt“ bezieht sich auf den englischen Begriff „bold“, der für die Eigenschaften kühn oder mutig steht. Kühn und mutig war der Namensgeber des „Boldt“, der deutsche Entdecker und Naturforscher Alexander von Humboldt, ganz sicherlich auch.

Auf dem deutschen und dem europäischen Markt der Reisemobile ist der Sprinter inzwischen etabliert. Auch die neue Version mit ihren Pkw ähnlichen Sicherheits- und Assistenz-Systemen wie dem aktiven Spurhalte-Assistenten, dem Bremsassistenten oder dem MBUX-Infotainment / Nav-System mit Zehn-Zoll-Touchscreen und Spracherkennung kommt bereits zum Einsatz, etwa beim Hymercar Grand Canyon S oder dem La Strada Regent S. In den USA kommen die ersten Reisemobile auf Sprinter-Basis erst jetzt, zur Saison 2019, zu den Händlern und Kunden. Angetrieben wird der vierrädrige Entdecker von einem drei Liter großen Sechszylinder-Turbodiesel mit 188 PS. Ab Sommer sollen die 4x4-getriebenen Modelle folgen.

Die Amerikaner haben den Boldt für den ganzjährigen Einsatz ausgelegt. Daher haben sie ihm sowohl eine Klimaanlage von Coleman als auch eine Truma Combi Eco Plus Heizung, kombiniert mit einem Warmwasserboiler, spendiert. Auf winterliche Temperaturen sind das Wasser- und Sanitärsystem ausgelegt. Der Frischwassertank fasst 80 Liter fasst, der Abwassertank 95 Liter; die Tanks sind isoliert und mit Heizmatten versehen. Wände, Decke und Boden sind gut isoliert. Schließlich soll der Boldt ein Campingbus sein, den man wirklich nutzen kann, wie Chris Bienert, der Chefentwickler von Winnebago verkündet: „This is the van for real van users“.

In Zusammenarbeit mit Volta Power Systems hat Winnebago das Pure3-Energiemanagementsystem entwickelt. Es soll ausreichen, um den Boldt auch ohne Netzstrom oder Anschluss an einen Generator über eine Nacht hinweg zu betreiben. Kernstück des Systems ist eine an ein 48 V Bordnetz angeschlossene 11,6 kWh Lithiumionen-Batterie. Für deren Aufladung sind Solarzellen und ein 230 Volt Wechselstromgenerator zuständig. Typisch amerikanisch und komplett ist die damit betriebene Bordausstattung, zu der ein Induktionskochfeld, eine Mikrowelle, stromsparende LED-Beleuchtung und ein 24 Zoll-LED-HDTV gehören.

Den 739 Zentimeter langen Boldt (Radstand 432 cm) gibt es mit zwei verschiedenen Grundrissen. Beim Q70 BL sind die Fahrerhaussitze drehbar, so ergibt sich mit der zum Bett ausziehbaren Halbdinette eine Sitzgruppe. Mittig auf der Fahrerseite angeordnet ist das Bad installiert, gegenüber der Küchenblock mit Kühl-/Gefrier-Kombination. Im Heck gibt es ein flexibles Bettensystem, das entweder mit zwei Einzelbetten oder einem Queensbett (168 x 206 cm Liegefläche) genutzt werden kann.

Beim Q70 KL ist das Bad größer und quer im Heck angeordnet. Die beiden Längsbetten (66 x 188 cm und 66 x 206 cm, als Queensbett 195 x 188 cm) liegen davor. Dem KL fehlt auch die vordere Dinette des BL, den Essbereich bilden die beiden drehbaren Kabinensitze in Kombination mit einem Klapptisch anstelle des abnehmbaren Säulentisches beim BL. In beiden Varianten des Boldt können die Betten tagsüber auch als Sofa genutzt werden. In ein Schienensystem lassen sich Boxen zur Aufbewahrung von Gewürzen oder Unterhaltungselektronik oder Haken flexibel anbringen.

Der Boldt soll noch im Frühjahr zu den Händlern kommen. Kosten wird er etwa 185 000 amerikanische Dollar, was etwa 164 000 Euro entspricht. Zu haben ist der Boldt vorerst nur in den Vereinigten Staaten. (ampnet/gp)

Veröffentlicht am 25.03.2019

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Fotos: Auto-Medienportal.Net/Winnebago
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