2026-06-29 11:11:00 Automobile

Ausprobiert: Prima Klima im Camper?

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Michael Kirchberger

Auf den Camping- und Stellplätzen der Ferienregionen herrscht zurzeit ein Thema vor. Wie kann man den Campingurlaub trotz der extremen Temperaturen genießen? Dabei geht es vornehmlich um die Nächte, die kaum Abkühlung bringen und die Hitze im Mobil einen erholsamen Schlaf fast unmöglich macht. Und immer wieder finden sich im Internet Anzeigen für wahre Klima-Wundergeräte, die ausgesprochen günstig, kompakt und leicht sind und ohne warme Abluft zu erzeugen das Thermometer im Wohnmobil sinken lassen.

Um es vorwegzunehmen: es ist ein physikalische Grundregel, dass Energie erhalten bleibt und wer kalte Luft erzeugen will, muss sie der warmen entziehen. Das geschieht in der Klimaanlage über einen Wärmetauscher, der die angesaugte Luft herunterkühlt und die entzogene Wärme über einen Ableitungsschlauch im besten Fall ins Freie wieder abgibt. Wir haben das mit einem mobilen Gerät, dass wir beim Campingausstatter Fritz Berger zum Sonderpreis von 299 statt 349 Euro gekauft haben, in einem Avanti L von La Strada ausprobiert. Mit wechselhaften Ergebnissen.

In einem ausgebauten Kastenwagen herrschen meist enge Platzverhältnisse. Die Camping-Klimaanlage von Berger mit dem nebulösen Namen PCA 3400 ist gut einen halben Meter lang und 34 Zentimeter breit, passt daher ideal zwischen die beiden vorderen Sitze des Basisfahrzeugs Fiat Ducato. Das Gerät wiegt rund 13 Kilogramm, lässt sich dank eines breiten Henkels komfortabel tragen und arbeitet mit 230-Volt-Wechselstrom. Die Energieversorgung ist das geringste Problem, sie gelingt dank einer an der Dinette zusätzlich installierten 230-Volt-Steckdose. Schwieriger ist das Verlegen des Zu- und Abluftschlauchs. Ersterer darf sich die warme Luft aus dem Innenraum schnappen, letzterer hingegen sollte die nochmals wärmere Abluft möglichst ins Freie pusten. Ideal wäre die Verbindung durch eine der Dachluken – dafür jedoch ist der Abluftschlauch zu kurz.

Die Kühlleistung des Berger-Geräts liegt bei 1000 Watt, das entspricht 3400 BTU (British thermal unit), die elektrische Dauerleistungs-Aufnahme wird mit 416 Watt angegeben. Die Spitze beim Einschalten liegt höher, ein mit niedrigen 6 Ampere abgesicherter Stromanschluss auf dem Campingplatz sollte das aber abfedern. Dauerhaft verlangt das PCA nach einer Stromstärke von 1,81 Ampere (416 Watt : 230 Volt = 1,81 Ampere).

In der Praxis erweist sich diese Leistung als ausreichend, um den Avanti am Abend bei 25 Grad Außentemperatur auf schlafgerechte 18 Grad herunterzukühlen. Einzig die Abluftführung hat uns vor eine Herausforderung gestellt. Am Ende haben wir den entsprechenden Schlauch mit seinem rund 13 Zentimeter messenden Querschnitt durch das leicht geöffnete Beifahrerfenster gelegt und ihn dort sehr sanft mit Hilfe des Fensterhebers eingeklemmt. Die verbleibenden Öffnungen wurden mit ausgestopften Müllbeuteln verschlossen, eine Lösung, die sich allenfalls für einen Campingplatz auf geschlossenem Terrain, aber nicht für den Stellplatz oder gar beim Freistehen in Erwägung ziehen lässt – zumal die Stromversorgung am zuverlässigsten über 230-Volt-Landstrom oder allenfalls einer wirklich kräftigen Powerbank möglich ist. Ein Energiespeicher mit 1000 Watt Kapazität wäre nach etwa zwei Stunden geleert.

Die Geräuschentwicklung ist beim Kühlen deutlich zu vernehmen, Berger gibt 42 bis 45 db(A) an, wir haben 54 db(A)gemessen. Wenn der mobile Kühler vorne steht, ist von seinem Arbeitsgeräusch im Heckbett des La Strada jedoch nicht mehr viel zu hören.

Der Campinghändler verweist unter anderem darauf, dass die PCA 3400 frei stehen soll, mit mindestens fünf Zentimeter Abstand zu Wänden. Das ist bei der Anordnung zwischen den Ducato-Sitzen nicht einzuhalten, und wir haben beim Testlauf peinlich genau auf die Erwärmung der Umgebung geachtet, die ausgeblieben ist. Wofür wir dennoch nicht die Hand ins Feuer legen würden. Geeignet ist das Gerät somit für ausgebaute Kastenwagen mit mittlerem oder langem Radstand und kurze Teilintegrierte mit bis zu 12 Quadratmetern Wohnfläche. Schade, dass die hilfsbereiten Mitarbeiter in der Berger-Filiale nicht wirklich helfen können, da das PCA nur im Online-Shop bestellbar ist. Immerhin wird versandkostenfrei geliefert und das Gerät anstandslos als Retoure zurückgenommen, wenn es sich als zu laut, zu schwer oder zu groß für den persönlichen Geschmack erweist. Für große Mobile reicht die Kühlleistung nicht.

Wer dennoch auf eine teure Dachklimaanlage (ab etwa 2000 Euro) verzichten will, kommt mit alten Hausmitteln zumindest ein Stückchen weit gegen die Hitze an. An erster Stelle steht: einen Schattenplatz aussuchen und dabei den Lauf der Sonne einkalkulieren. Querlüften dann, wenn es draußen nachts nicht mehr so heiß ist, erweist sich ebenfalls als probates Mittel zur Temperatursenkung, besonders in Verbindung mit einem Dachlukenventilator. Eine gute Verschattung der Fenster im Fahrerhaus mit reflektierenden Isolierungen führt ebenfalls zu guten Ergebnissen.

Ein guter Tipp ist auch das Verhängen der Fenster mit angefeuchteten Tüchern oder Laken, denn verdunstende Feuchtigkeit führt automatisch zur Temperaturabsenkung. Es ist also gar nicht so schwierig, auch bei großer Hitze cool zu bleiben. (aum/mk)

Veröffentlicht am 29.06.2026

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