AvD: Nicht nur Elektromobilität schützt das Klima
Elektromobilität sei eine große Chance für die Zukunft, aber Klimaschutz darf sich deshalb nicht auf eine einzige Technologie beschränken, betont der Automobilclub. Entscheidend sei vielmehr, welche Lösungen möglichst schnell, wirtschaftlich und in großem Maßstab CO2 einsparen können. Die Verbraucher sollten dabei auch künftig selbst entscheiden können, welche Antriebstechnologie am besten zu ihrem Alltag passt.
In Deutschland sind deutlich über 49 Millionen Pkw zugelassen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind aktuell weniger als fünf Prozent davon rein elektrisch unterwegs, betont der AvD. Mit einem stetig steigenden Durchschnittsalter von derzeit 10,9 Jahren werde also, selbst bei einem dynamischen Hochlauf der Elektromobilität, ein erheblicher Teil dieser überwiegend herkömmlich angetriebenen Fahrzeuge noch lange Zeit auf den Straßen unterwegs sein. Wer die Klimaziele ernst nehme, sollte deshalb nicht ausschließlich auf den Austausch der Fahrzeugflotte setzen, sondern auch Lösungen fördern, mit denen bestehende Fahrzeuge klimafreundlicher betrieben werden können. Moderne Biokraftstoffe, höhere Ethanolbeimischungen wie E20, synthetische Kraftstoffe sowie Wasserstoff können hierzu aus Sicht des Clubs einen wichtigen Beitrag leisten und die Elektromobilität sinnvoll ergänzen.
Bereits heute ermöglicht der Kraftstoff E10 nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen von sechs bis neun Prozent gegenüber rein fossilem Benzin. Mit einer weiteren Anhebung auf E20 könnten bestehende Verbrennungsmotoren einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sofern Fahrzeugverträglichkeit und Kraftstoffnormen entsprechend weiterentwickelt werden. Der große Vorteil liege darin, dass die bestehende Tankstelleninfrastruktur weitgehend erhalten bleibt und Millionen Bestandsfahrzeuge unmittelbar profitieren könnten.
Ein weiteres Zukunftsfeld sind synthetische Kraftstoffe (e-Fuels). Sie werden mithilfe von erneuerbarem Strom, Wasser und CO2 hergestellt. Stammt der benötigte Strom vollständig aus erneuerbaren Energien und wird das verwendete Kohlendioxid der Atmosphäre oder unvermeidbaren Industrieprozessen entnommen, können e-Fuels bilanziell nahezu CO2-neutral hergestellt werden. Zwar ist ihr energetischer Wirkungsgrad geringer als bei batterieelektrischen Fahrzeugen, dennoch sehen Wissenschaftler unter anderem des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) insbesondere im Luftverkehr, der Schifffahrt und für Teile der Bestandsflotte sinnvolle Einsatzmöglichkeiten.
Auch Wasserstoff bleibe ein wichtiger Bestandteil einer klimaneutralen Mobilität, findet der AvD. Grüner Wasserstoff wird durch Elektrolyse aus Wasser hergestellt, wobei ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien eingesetzt wird. In Brennstoffzellenfahrzeugen entsteht während des Fahrbetriebs lediglich Wasserdampf. Gleichzeitig wird Wasserstoff auch als Kraftstoff für speziell entwickelte Verbrennungsmotoren erprobt. Zahlreiche Hersteller entwickeln ihre Technologien konsequent weiter, und angesichts der seit Monaten hohen Spritpreise werde auch der Einwand teurer Herstellungskosten relativiert. Ziel muss es aus Sicht des Automobilclubs nun sein, nachzuweisen, dass sich klimafreundliche Kraftstoffe ohne technische Änderungen am Fahrzeug und ohne neue Tankstelleninfrastruktur einsetzen lassen.
Die Bundesregierung verfolgt mit der Nationalen Wasserstoffstrategie sowie ihrer Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie selbst einen technologieoffenen Ansatz und sieht erneuerbare Kraftstoffe als Ergänzung zur Elektromobilität vor. Auch zahlreiche wissenschaftliche Institute betonen, dass es nicht den einen Königsweg zur Dekarbonisierung des Verkehrs gibt. Entscheidend seien die jeweiligen Einsatzbereiche, die Verfügbarkeit erneuerbarer Energien, der Ausbau der Infrastruktur und nicht zuletzt die wirtschaftliche Umsetzbarkeit.
Für viele Verbraucher sind die Anschaffungskosten eines Elektrofahrzeugs, fehlende Lademöglichkeiten oder lange Fahrstrecken aus Sicht des AvD nach wie vor Herausforderungen. Gerade im ländlichen Raum unterscheiden sich die Voraussetzungen erheblich von denen in Ballungsgebieten. Klimaschutz werde nur dann dauerhaft Akzeptanz finden, wenn er praktikabel, bezahlbar und für möglichst viele Menschen umsetzbar bleibt.
Der AvD begrüßt daher ausdrücklich die dynamische Entwicklung erneuerbarer Kraftstoffe, von Wasserstoff sowie weiterer klimafreundlicher Technologien. Die Innovationsgeschwindigkeit nimmt aus seiner Sicht spürbar zu, und ihr flächendeckender Einsatz in den verschiedenen Verkehrsbereichen werde zunehmend greifbar. Umso wichtiger sei es, dass Politik und Industrie die Innovationskraft aller klimafreundlichen Lösungen entschlossen fördern und nutzen. Der Verkehrssektor brauche keine ideologischen Vorgaben, sondern verlässliche Rahmenbedingungen, Investitionen in Infrastruktur und den Mut, unterschiedliche Technologien parallel weiterzuentwickeln. Nur so könne die Kohlendioxid-Reduktion schnell, wirtschaftlich und sozial verträglich gelingen. (aum)
Veröffentlicht am 20.07.2026
UnternehmenAvDPolitik & VerkehrUmwelt & VerkehrWasserstoffE-Fuelssynthetische Kraftstoffe

