2026-10-14 12:51:00 Automobile

Bedienkonzepte im Auto: Was beim Fahren ablenkt

Carzoom.de
Fotos: Auto-Medienportal.Net/ADAC

Ein aufgeräumtes Cockpit sieht modern aus. Führen alltägliche Handgriffe jedoch durch Bildschirmmenüs, leidet die Sicherheit. Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat untersucht, wie stark verschiedene Bedienkonzepte ablenken. Entscheidend ist nicht allein die Technik, sondern ihre Umsetzung.

In einer Simulatorstudie erledigten 130 fahrerfahrene Personen zusätzliche Aufgaben über Lenkradtasten, Touchscreen oder Sprachsteuerung. Ein standardisiertes Verfahren erfasste dabei die Beeinträchtigung der Fahraufgabe. Wie häufig Ablenkung tatsächlich Unfälle verursacht, bleibt hingegen unklar: Belastbare Zahlen fehlen und der Nachweis ist schwierig. Die Risiken sind dennoch greifbar. Wer bei Tempo 50 eine Sekunde nicht auf die Straße schaut, legt rund 14 Meter blind zurück. Auch häufige Kontrollblicke vermitteln trügerische Sicherheit: „Und trotzdem sind sie nicht wirklich beim Verkehrsgeschehen“, sagt UDV-Leiterin Kirstin Zeidler.

Für komplexe, nicht zeitkritische Aufgaben empfiehlt die UDV deshalb die Sprachsteuerung. Navigationsziele, Telefonkontakte oder Musik lassen sich damit auswählen, ohne Hände und Augen zusätzlich zu beanspruchen. Allerdings gilt dieser Vorteil nur bei zuverlässiger Erkennung. Jeder zweite Nutzer berichtet laut Befragung von Missverständnissen oder ausgebliebenen Reaktionen. Wer anschließend doch tippt, verliert den Sicherheitsgewinn.

Blinker, Scheibenwischer, Warnblinker und Licht gehören dagegen an gut erreichbare, ertastbare Bedienelemente. Eindeutige Formen, Raststufen und spürbare Rückmeldungen helfen. Glatte Touchflächen sind kein gleichwertiger Ersatz. Touchscreen-Bildschirme bleiben für bestimmte Auswahlaufgaben brauchbar, sofern große Schaltflächen, kurze Menüwege und eine günstige Position lange Blickabwendungen vermeiden. Jeder dritte Touchscreen-Nutzer hatte bereits Schwierigkeiten mit komplizierter, aufmerksamkeitsintensiver Bedienung.

Die Konsequenz für Hersteller lautet: Weniger Knöpfe bedeuten nicht automatisch mehr Fortschritt. Für Käufer lohnt deshalb eine gründliche Bedienprobe vor dem Kauf – unter realistischen Bedingungen und nicht nur im stillen Schauraum. Dabei sollten auch häufig genutzte Funktionen ohne Sucharbeit erreichbar sein. (aum)

Veröffentlicht am 14.10.2026

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