2026-02-26 14:36:00 Automobile

Der Hyundai Nexo fährt weiter

Carzoom.de
Fotos: BMW via Autoren-Union Mobilität

Bleibt Wasserstoff eine Zukunftsoption für den Pkw-Antrieb? Hyundai bejaht die Frage und hält mit der zweiten Generation des SUV-Modells Nexo an seiner Brennstoffzellen-Strategie fest. Das Auto fällt durch ein neues Design auf – und bietet bis zu 826 Kilometer Reichweite.

Wasserstoff – das galt über viele Jahre als große Verheißung der Autoindustrie. Ein sauberer Energieträger, minutenschnell zu tanken, abgasfrei zu nutzen und nahezu unendlich verfügbar. Die Euphorie ist verflogen, aber ein paar unbeugsame Unternehmen halten der Technologie nach wie vor die Treue. Hyundai beispielsweise. Der südkoreanische Hersteller hat soeben die zweite Generation des Wasserstoff-Pkw Nexo vorgestellt.

Das 4,75 Meter lange SUV im kantig-klobigen „Art of Steel“-Design – so nennt der Hersteller die neue Formensprache – ist ein ebenso wuchtiges wie geräumiges Auto. Der Elektroantrieb leistet 150 kW (204 PS), stellt ein Drehmoment von bis zu 350 Newtonmetern bereit und ermöglicht eine Reichweite von bis zu 826 Kilometern. Trotz eines geradezu mickrigen Lithium-Ionen-Polymer-Akkus mit lediglich 1,56 kWh Speicherkapazität. Wie das funktioniert? Die Brennstoffzellentechnik macht den Unterschied.

Betankt wird der Wagen mit Wasserstoff. Werden die drei Hochdrucktanks aus Karbon mit einem Druck von 700 bar gefüllt, sind knapp 6,7 Kilo Wasserstoff an Bord. Genug Energie, um einmal von Lübeck nach München zu fahren, oder von Saarbrücken nach Rostock. Der gasförmige Wasserstoff aus den Tanks reagiert in einer Brennstoffzelle mit dem Sauerstoff aus der Umgebungsluft in einer „kalten Verbrennung“. Dabei entsteht Wärme (die zu Klimatisierung genutzt werden kann), unschädlicher Wasserdampf (der ausgestoßen wird), und – vor allem – entsteht elektrische Energie. Die treibt die auf die Vorderräder wirkende E-Maschine an, und sorgt für die enorme Reichweite.

Der zusätzliche Akku an Bord fungiert als Energiespeicher, um nach Betätigung des Startknopfes sofort losfahren zu können, während die Brennstoffzelle hochfährt, oder um bei hohem Leistungsbedarf der E-Maschine – etwa beim kraftvollen Beschleunigen – zusätzlich Energie bereitzustellen. Und schließlich auch, um die Energie aufzufangen, die beim Rekuperieren entsteht, sobald der Fuß vom Fahrpedal genommen wird. Als Höchstgeschwindigkeit sind 179 km/h mit dem Nexo möglich, es stehen vier Fahrmodi zur Wahl und auch die Stärke der Rekuperation lässt sich regulieren.

Es steckt also ein ordentliches Technologie-Paket im Hyundai, doch fahren lässt sich das Auto so angenehm und intuitiv wie jedes andere Elektrofahrzeug auch. Technikinteressierte können sich auf dem Bordmonitor den jeweiligen Antriebsmodus (Akku, Brennstoffzelle, Rekuperation) anzeigen lassen, Musikliebhaber können den Klängen ihrer Lieblingsinterpreten lauschen – was im Nexo besonders genussvoll ist, weil das Auto extrem leise dahinrollt.

Der Platz auf der Rücksitzbank ist enorm. Das Kofferraumvolumen reicht von 510 bis 1630 Liter, allerdings ist die Ladefläche recht hoch positioniert. Und es ist für den Nexo, nach Angaben von Hyudnai erstmals bei einem Brennstoffzellenfahrzeug, eine Anhängerkupplung verfügbar, an die Lasten bis zu 1000 Kilogramm angehängt werden können. So entspannt und nervenschonend das Fahren im Nexo ist – im dichten Stadtverkehr kann es unübersichtlich werden. Der Schulterblick nach rechts hinten nämlich bringt keine Erkenntnisse, weil trotz des Dreiecksfensters in der breiten C-Säule nichts zu sehen ist – außer der Kopfstütze des rechten, hinteren Rücksitzes, die den Blick nach draußen versperrt.

Mit dem Hyundai Nexo, der ab 69.900 Euro angeboten wird, bietet der südkoreanische Autokonzern in Deutschland ein Nischenmodell an, wenn man es euphemistisch formulieren möchte. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande lediglich 49 Pkw (und außerdem 172 Lkw und Busse) mit Brennstoffzellen-Antrieb neu zugelassen. Ein neuer Tiefpunkt in dieser Statistik nach 158 Wasserstoff-Pkw im Vorjahr, 263 im Jahr 2023 und immerhin 835 im Jahr 2022.

Entsprechend der Nachfrage ist der Wettbewerb unter den Wasserstoff-Pkw minimal. Außer dem Nexo gibt es derzeit mit dem Toyota Mirai nur ein weiteres Automodell mit Brennstoffzellenantrieb auf dem deutschen Markt. Die E-Maschine der Toyota-Limousine leistet 134 kW (182 PS), die Tanks fassen bis zu 5,6 Kilogramm Wasserstoff, die Reichweite liegt bei bis zu 650 Kilometern und der Preis beginnt bei 68.490 Euro. Dazu kommen wird ab 2028 der BMW iX5 Hydrogen, wie der Münchner Autobauer unlängst angekündigt hat. Die Antriebstechnik des SUV-Modells hat BMW in Zusammenarbeit mit Toyota entwickelt.

Warum überhaupt hält Hyundai am Wasserstoffantrieb fest? „Das Auto ist für uns ein Technologieträger“, sagt ein Unternehmenssprecher. Erstens gebe es durchaus einen Markt für Brennstoffzellen-Pkw, vor allem in Südkorea, Japan und China. Und zweitens treibt Hyundai auch in anderen Industriebereichen die Wasserstofftechnologie voran. Etwa als Antrieb für Schienenfahrzeuge in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem tschechischen Eisenbahnunternehmen Skoda Transportation; oder in einer Kooperation mit dem Hafen Rotterdam, bei dem Wasserstofftechnologie für eine grundlegende CO2-Reduktion eingesetzt wird. Der neue Nexo zeigt einmal mehr, dass die Idee funktioniert. In Deutschland jedoch wird es zunehmend schwieriger, ein Brennstoffzellenauto zu nutzen. Von ehemals rund 100 Tankstellen für Pkw sind derzeit lediglich noch etwa 50 in Betrieb. (aum)

Veröffentlicht am 26.02.2026

Marken & ModelleHyundaiNexoElektromobilitätHyundai NexoWasserstoffBrennstoffzelle


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.