Fahrbericht Subaru Uncharted: Auf in unerforschtes Terrain
Denn „Uncharted“ (engl. für: nicht kartiert, unerforscht) heißt auch eine der weltweit populärsten Action-Adventure-Videospielreihen der letzten Jahre, in der in fotorealistischer Animation archäologische Mysterien gelüftet werden, 2022 sogar verfilmt mit „Spiderman“ Tom Holland und Mark Wahlberg in den Hauptrollen. Bei Subaru weiß man davon offiziell nichts. Der Name sei rein zufällig und solle allein den Geist von Abenteuern und unerforschten Straßen symbolisieren.
Doch egal, ob Zufall oder nicht, der Name passt gleich in doppelter Hinsicht, ist das kompakte Elektro-SUV doch auch für Subaru der Aufbruch in noch unerschlossenes Terrain. Zum einen, weil er ganz entgehen der Markentradition des japanischen Allradspezialisten auch mit Frontantrieb angeboten wird, zum anderen soll er Kunden gewinnen, die vielleicht nie einen Forester oder Outback gekauft hätten, sich aber für einen kompakten, robust wirkenden Stromer erwärmen könnten.
Der Uncharted misst 4,54 Meter in der Länge und liegt damit genau in dem Bereich, der im Kompakt-SUV-Segment derzeit besonders gefragt ist. Er ist kompakt genug für den Alltag, aber groß genug, um nicht klein zu wirken. Der technische Zwilling Toyota C-HR+ ist zwar allgegenwärtig, doch bemüht sich Subaru sichtbar um Differenzierung. So etwa an der Front mit den sechsteiligen Scheinwerfern und einer Art angedeutetem Grill mit Logo. Am Heck des aucht das sechsteilige Stilelement in den Heckleuchten wieder auf. Zudem verzichtet Subaru auf ein durchgehendes Leuchtband.
Auch im Cockpit fällt der Unterschied zum japanischen Modellpendant sofort ins Auge bzw. in Form eines oben und unten abgeflachten Lenkrad in die Hände. Es erlaubt einen ungehinderten Blick auf das weit oben platzierte digitale Kombiinstrument. Optisches Highlight ist jedoch der 14-Zoll-Touchscreen, der als Schaltzentrale für Navigation und Multimedia dient. Dessen Darstellung wirkt übersichtlich und aufgeräumt. Dazu gibt es noch eine Reihe klassischer Tasten und Drehregler. Das macht die Bedienung einfach und intuitiv. Ansonsten wirkt der Innenraum solide verarbeitet und ausreichend hochwertig. Vorn sitzt man entspannt, hinten wird es wegen der eher niedrigen Sitzbank etwas knapper, bleibt aber alltagstauglich. Der Kofferraum fasst 403 Liter und lässt sich mit umgeklappten Rücksitzehnen dachhoch auf 1323 Liter erweitern. Einen Frunk gibt es nicht, dafür aber praktische Ablagen und brauchbare Details wie die induktiven Ladeflächen für Smartphones.
Subaru bietet den Uncharted mit Frontantrieb und zwei Leistungsstufen sowie als Allradler an, wobei schon die Basis mit 123 kW (167 PS) und 57,7-kWh-Akku solide auftritt. Damit soll das SUV im Idealfall bis zu 450 Kilometer weit fahren. Allerdings sorgt der zweite Blick ins Datenblatt für Stirnrunzeln. Denn während der Stromer mit seinen 8,4 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 im deutschen Verkehr noch ganz gut mithalten kann, dürfte er jedoch mit der limitierten Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h auf der Autobahn eher zum rollenden Hindernis werden.
Darüber rangiert die stärkere Frontantriebsvariante mit 165 kW beziehungsweise 224 PS Leistung und größerem 77-kWh-Speicher, der bis zu 592 Kilometern WLTP-Reichweite verspricht. Sie erreicht die 100er-Marke zwar rund eine Sekunde schneller, wird aber auch schon bei 160 km/h elektronisch eingebremst. Und nicht anders ergeht es dem Topmodell mit Allradantrieb, da nützt auch der zweite Elektromotor mit 88 kW (120 PS) an der Hinterachse nichts, der die Systemleistung auf 252 kW (343 PS) hochjazzt. Immerhin gelingt ihm damit der Standardsprint aus dem Stand auf Landstraßentempo schneller als Subarus Kult-Renner WRX STI mit Verbrenner: 5,0 Sekunden stehen jetzt im Datenblatt. Die Reichweite des Allradmodells nach Norm liegt bei 495 Kilometern.
Auf der Straße zeigt der Uncharted ein kultiviertes Fahrverhalten, das jederzeit berechenbar und gelassen ausfällt. Der Wagen rollt geschmeidig ab, die Dämpfung bügelt auch schlechte Straßen souverän glatt. Querfugen und Asphaltkanten werden eher registriert als wirklich gespürt. Gerade auf längeren Strecken entsteht so ein angenehm entspanntes Fahrgefühl. Die Lenkung passt gut ins Gesamtbild. Bei niedrigen Geschwindigkeiten leichtgängig, bei höherem Tempo spürbar straffer und direkter, vermittelt sie ein solides Maß an Rückmeldung.
Ganz verbergen kann der Uncharted Gewicht natürlich nicht. Gut zwei Tonnen machen sich bei ambitionierter Kurvenfahrt bemerkbar. Dann schiebt das Fahrzeug leicht über die Vorderräder, bleibt aber dennoch jederzeit kontrollier- und berechenbar. Kritisch wird es nie – richtig emotional aber auch nicht. Wer die Extra-Portion Agilität sucht, wird eher beim Allradmodell fündig, das hier dank aktiver Kraftverteilung neutraler wirkt. Ein echtes Highlight ist auch der Geräuschkomfort. Wind- und Abrollgeräusche sind hervorragend gedämmt, selbst bei Autobahntempo bleibt es im Innenraum angenehm ruhig und unterstreicht den entspannten Charakter des Fahrzeugs.
Die Rekuperation lässt sich über Schaltwippen am Lenkrad in vier Stufen einstellen. Die Abstimmung ist bewusst moderat gehalten. Im Stadtverkehr funktioniert das dennoch effizient, zumal die Energierückgewinnung konstant im Hintergrund arbeitet, was sich im niedrigen Verbrauch deutlich zeigt. Der soll sich laut WLTP-Norm und je nach Antrieb zwischen 13,7 kWh (Frontantrieb) und 15,7 kWh (Allrad) pro 100 Kilometer einpendeln, was wir bei unseren ersten Ausfahrten allerdings nicht bestätigen konnten. Der Bordcomputer in unserem Testwagen mit Frontantrieb und großem Akku zeigte nach rund 100 Kilometern 16,2 kWh – immer noch ein respektabler Wert für ein Fahrzeug dieser Größe und Leistung.
Beim Laden bleibt Subaru bewusst auf 400-Volt-Niveau, bietet aber immerhin für Wechselstrom-Säulen serienmäßig 22 kW, ein klarer Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten, die hier noch mit 11 kW nuckeln. Auch beim Toyota-Technikzwilling C-HR+ gibt’s das nur gegen Aufpreis. Am DC-Schnelllader sind bis zu 150 kW möglich, und dank Vorkonditionierung soll der Sprung von 10 auf 80 Prozent in knapp unter 30 Minuten gelingen. Das ist nicht Spitzenklasse, aber durchaus alltagstauglich. Die Kombination aus brauchbarer Reichweite, ordentlicher Ladeleistung und hoher AC-Geschwindigkeit macht den Uncharted damit zu einem Auto, das im mobilen Alltagsleben wenig Nerven kostet.
Dass Subaru aber auch weiterhin Wert auf Geländekompetenz legt, zeigt die Allradversion des Uncharted. Sie bringt mit dualem X-Mode, Grip Control und Bergabfahrhilfe jene Fähigkeiten mit, die man in dieser Klasse sonst nur selten findet. Dazu kommen 21 Zentimeter Bodenfreiheit und ordentliche Böschungswinkel, sodass der Kompakte auch abseits des Asphalts nicht sofort kapituliert. Auf losem Untergrund, im Matsch oder auf verschneiten Wegen bleibt er kontrollierbar und erstaunlich souverän. Die Systeme greifen unauffällig, aber wirksam ein und machen aus dem Thema Offroad eine glaubwürdige Zusatzqualifikation.
Preislich startet der Uncharted mit Frontantrieb und kleiner Batterie in der Basisversion Trend ab 36.990 Euro, und damit 2000 Euro günstiger als der Toyota-Zwilling mit vergleichbarer Ausstattung. Für die mittlere Variante mit großem 77-kW/h-Akku folgt allerdings ein großen Preissprung auf 43.490 Euro. Immerhin sind dann aber auch schon Goodies wie elektrische Heckklappe, Lenkrad- und Sitzheizung vorn und hinten, Harman-Kardon-Audiosystem, drahtlose Smartphone-Integration, 360-Grad-Panorama-Kamera sowie eine 220-Volt-Steckdose mit 1500 Watt und eine schwarze Dachreling mit Dachträger-Aufnahmepunkten mit drin. Die Allrad-Topversion mit identischer Batterie und 252 kW (343 PS) Leistung, neben dem X-Mode-Allrad-Assistenzsystem mit weiterer Ausstattung wie Berg-Abfahrhilfe, Geländekamera mit „Durchblick“ auf Untergrund und 20-Zoll-Leichtmetallfelgen ausgerüstet, kostet mindestens 47.990 Euro, ist damit aber immer noch deutlich günstiger als die Spitzenversion des C-HR+.
Unterm Strich ist Subaru mit dem Uncharted, trotz der technischen Ähnlichkeit mit dem Toyota-Pendant, ein eigenständiges Fahrzeug gelungen, das mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, urbaner Alltagstauglichkeit, aber auch der markenbildenden Geländegängigkeit punkten kann. Ob damit der Vorstoß in neue Marktsegmente gelingen kann, wird wohl nicht zuletzt davon abhängen, wie schnell sich das Kompakt-SUV dort bekannt macht. Kleiner Tipp: Die Fortsetzung der „Uncharted“-Verfilmung ist gerade in Arbeit. Im ersten Teil stellte noch Hyundai mit dem Tucson das Filmauto. (aum)
Daten Subaru Uncharted FWD Active
Länge x Breite x Höhe (m): 4,54 x 1,87 x 1,63
Radstand (m): 2,75
Antrieb: E-Motor, FWD, 1-Gang-Getriebe
Leistung: 165 kW / 224 PS
Max. Drehmoment: 268 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 160 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,3 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 13,8 kWh
Batteriekapazität: 77 kWh
WLTP-Reichweite: 592 km
Ladeleistung: AC 22 kW/ DC 150 kW
Leergewicht / Zuladung: min. 2012 kg / max. 508 kg
Kofferraumvolumen: 403– 1323Liter
Max. Anhängelast: 1500 kg
Preis: ab 43.490 Euro
Testwagenpreis: 44.379 Euro
Veröffentlicht am 26.05.2026
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