2026-08-26 11:13:00 Automobile

Kia PV5 WAV: Elektro-Bus mit Rampe

Carzoom.de
Fotos: Kia via Autoren-Union Mobilität

Kia bietet den elektrischen PV5 Passenger nun auch als barrierefreie Mobilitätslösung an. Als neue WAV-Version ermöglicht der kompakte Kleinbus den seitlichen Rollstuhlzugang per ausziehbarer Rampe. Zwei Batteriegrößen, variable Sitzmöglichkeiten und eine umfangreiche Ausstattung sollen ihn für private wie gewerbliche Einsätze attraktiv machen.

Kia öffnet ein neues Kapitel in der noch jungen Geschichte seiner vollelektrischen Kleinbus-Familie: Der PV5 Passenger ist ab sofort auch als rollstuhlgerechte WAV-Version bestellbar. Das Kürzel steht für „Wheelchair Accessible Vehicle“. Anders als viele nachträglich umgebaute Fahrzeuge wird der PV5 WAV im Rahmen der Kia-Strategie „Made-In-Plant“ entwickelt und produziert.

Der entscheidende Unterschied liegt an der Fahrzeugseite. Eine zweistufig ausziehbare Rampe ermöglicht den Zugang direkt vom Straßenrand oder vom Gehweg aus. Damit muss das Fahrzeug nicht zwingend rückwärts an eine entsprechend geeignete Fläche heranfahren – ein Vorteil gerade im Stadtverkehr, auf engen Parkplätzen oder vor Hauseingängen.

Der 4,70 Meter lange Elektro-Kleinbus bleibt dabei vergleichsweise kompakt. Kia positioniert ihn als Pkw der Klasse M1, sodass er über das normale Kia-Pkw-Händlernetz erhältlich ist. Die Auslieferungen an deutsche Kunden sollen im November beginnen.

Für den Rollstuhl wird der Bereich genutzt, in dem sich beim normalen PV5 Passenger die zweite Sitzreihe befindet. Durch den Umbau wandert diese quasi in die dritte Reihe. Die rechte Seite der Rückbank lässt sich teilweise hochklappen, sodass vor ihr Platz für den Rollstuhl entsteht. Der linke Rücksitz bleibt für eine Begleitperson nutzbar.

Ein integriertes Verzurrsystem sichert den Rollstuhl im Fahrzeug. Der Fond ist maximal 1.398 Millimeter hoch und wurde mit verstärkten Bodenstrukturen auf die besondere Nutzung vorbereitet. Hinter der Rückbank bleibt ein Gepäckraum mit einem Volumen von 350 Litern.
Wird die Rollstuhlkonfiguration nicht benötigt, lässt sich der PV5 WAV als regulärer Fünfsitzer nutzen. Damit soll das Fahrzeug nicht nur für spezielle Transporte, sondern auch im Familienalltag, im Taxibetrieb oder als Shuttle eingesetzt werden können.

Zwei Rampenlängen

Die teleskopartige Rampe verschwindet bei Nichtgebrauch in einem Zwischenboden. Je nach Situation kann sie auf 1,25 oder 1,75 Meter ausgezogen werden. Vom Straßenniveau aus ergibt sich bei vollständig ausgezogener Rampe eine Neigung von 13 Grad.

An einem erhöhten Gehweg genügt unter Umständen die kürzere Rampenstufe. Kia nennt als Beispiel eine 15 Zentimeter hohe Bordsteinkante: In diesem Fall reduziert sich die Neigung auf 11 Grad. Die Rampe wird manuell bedient – ein Detail, das die Konstruktion zwar vergleichsweise einfach hält, im Alltag aber auch körperlichen Einsatz erfordert.

Für den Antrieb stehen die beiden bekannten Akkugrößen zur Wahl. Die 51,5-kWh-Batterie ist mit einem 89 kW (122 PS) starken Elektromotor kombiniert und ermöglicht laut Kia eine gewichtet ermittelte Reichweite von maximal 282 Kilometern. Die Variante mit 71,2 kWh und 120 kW (163 PS) kommt auf bis zu 391 Kilometer.

An einer entsprechend leistungsfähigen Schnellladestation sollen beide Versionen in rund 30 Minuten von zehn auf 80 Prozent geladen werden können. Hinzu kommt die serienmäßige V2L-Funktion: Über eine 230-Volt-Steckdose im Innenraum oder optional per Adapter am Ladeanschluss kann der Kia externe Geräte mit Strom versorgen.

Mit 750 Kilogramm gebremster und ungebremster Anhängelast eignet sich der PV5 WAV zudem für den Anhängerbetrieb. Der Wendekreis von 11,0 Metern soll das Rangieren in engen Straßen und Parkhäusern erleichtern.

Viel Ausstattung ab Werk

Der PV5 WAV wird in den Ausstattungslinien Plus und Elite angeboten. Bereits die Basisversion verfügt unter anderem über eine elektrische Schiebetür rechts, eine Klimatisierungsautomatik, Navigationssystem, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer, Wärmepumpe und 16-Zoll-Leichtmetallräder. Für den Komfort sorgen Sitzheizungen vorn und an den äußeren Rücksitzen, ein beheizbares Lenkrad, eine induktive Ladeschale und Parksensoren vorn und hinten. Sieben Airbags gehören ebenfalls zum Serienumfang.

Der Kia PV5 WAV Plus kostet mit der 51,5-kWh-Batterie exakt 44.940 Euro. Für die größere Batterie werden mindestens 48.940 Euro fällig – jeweils zuzüglich Überführungskosten. Kia gewährt die übliche siebenjährige Herstellergarantie bis maximal 150.000 Kilometer. Für die Batterie gilt eine Garantie von acht Jahren beziehungsweise 160.000 Kilometern.

Drei weitere barrierefreie Wege

Kia beschränkt das Angebot nicht auf die werkseitige Seitenrampe. Weitere Umbauten entstehen bei spezialisierten Anbietern und setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Die Spezialisten von AMF-Bruns bietet bereits einen PV5 mit DIN-gerechtem Heckausschnitt und ausklappbarer Rampe an. Je nach Sitzkonfiguration kann das Fahrzeug einen Rollstuhlfahrer und fünf weitere Insassen aufnehmen oder – ohne Rollstuhl – bis zu sieben Personen. Die Firma Schnierle setzt voraussichtlich ab September auf ein integriertes Schienensystem im Kabinenboden. Darauf lassen sich unterschiedliche Sitztypen flexibel befestigen. Ein modulares Rückhaltesystem ermöglicht den Transport einer Person im Rollstuhl über eine seitliche Rampe.

MobiTEC arbeitet wiederum mit einem Heckausschnitt, der auch besonders breite Rollstühle aufnehmen soll. Der Anbieter nennt einen 929 Millimeter breiten Bodenausschnitt und eine Auffahrbreite von 890 Millimetern. Die originale Rücksitzbank bleibt erhalten; mit optionalen Drehklappsitzen wird der PV5 bei Bedarf zum Siebensitzer. Die Markteinführung ist für den Herbst vorgesehen. (aum)

Veröffentlicht am 26.08.2026

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