Kurbeln, klappen, falten: Die günstigste Art, Camper zu werden
Der Wunsch nach einem naturverbundenen Urlaub auf einem Campingplatz ist für viele aus finanziellen Gründen nicht realisierbar. Die Preise für Freizeitfahrzeuge sind erheeblich gestiegen. Andere wiederum haben nicht das passende Zugfahrzeug, um einen Caravan ins Schlepp nehmen zu können. Gerade in Zeiten zunehmender Elektromobilität gerät der Personenwagen schnell an seine technischen Grenzen. Außerdem sinkt bei einem Elektroauto die Reichweite rapide, wenn ein gewichtiges Anhängsel gezogen wird. Eine Steigerung beim Verbrauch ist bei allen Antriebsarten nicht zu vermeiden, zwischen 30 und 100 Prozent nimmt der Energiebedarf zu.
Immer mehr Camper in spe suchen daher nach Alternativen zum klassischen Caravan, dessen größter Nachteil der hohe Luftwiderstand ist. Und stoßen dabei auf Klapp- oder Faltwohnwagen, die erst am Urlaubsort ihre volle Wohnqualität erlangen, während der Anreise dagegen geduckt und windschlüpfig hinter dem Zugwagen her rollen. Grundsätzlich unterscheiden sich dabei zwei Bauarten, die erste mit Zeltstoffwänden, die nach der Ankunft entfaltet und von Gestängen aus Aluminium, Glasfaserkunststoff oder Luft gestützt werden, die zweite mit soliden Sandwichplatten, die sich schachtelartig mit dem angehobenen Dach verbinden. Der Vorteil beider Kategorien ist, dass die Camper auf ordentlichen Matratzen gut isoliert und entfernt vom Boden schlafen. Die Gewichte liegen zwischen 500 und etwa 1000 Kilogramm, die Preisspanne reicht von 5000 bis 25.000 Euro. Bekannte Vertreter von Falt- bzw. Zelt-Wohnwagen sind zum Beispiel Camp-Let aus Dänemarkt udn Alpenkreuzer aus den Niedrelanden.
Vor allem Klappaufbauten können auch bei niedrigen Temperaturen genutzt werden. Den Beweis erbrachte der Pick-up-Spezialist Tischer bereits in den 1980er Jahren, als er eine Wohnkabine mit festem Klappdach für den VW T3 Syncro Pritschenwagen konstruierte. Bei einem Praxistest im winterlich-verschneiten Skidorado Obertauern bestand dank der leistungsfähigen Truma-Heizung auch bei minus 15 Grad kalten Nächten kuschliges Wohngefühl im Innenraum. Der Wohncontainer konnte sogar abgesetzt werden und stand dann auf vier Stützen relativ schwankungsfrei und uneingeschränkt nutzbar auf seinem Stellplatz.
Ein ähnliches Prinzip nutzt heute der Silver 422 von Mini Freestyle, einer Marke der französischen Trigano-Gruppe. Beim Fahren ist der 1050 Kilogramm leichte Sechs-Meter-Caravan mit eingeklapptem Dach nur 1,93 Meter hoch, bei Benutzung fährt das Dach elektrisch auf 2,33 Meter nach oben. An Bord gibt es vier Betten, eine Küche und auf Wunsch auch eine Dusche im Toilettenraum, der Grundpreis liegt dann allerdings auch bei 24.990 Euro. Bekanntestes deutsches Modell dieser Art ist der Eriba Touring (und mindestens genauso teuer).
Ein besonderes Erlebnis ist das Campen in einem Dachzelt auf dem Personenwagen, der Panoramablick ist inklusive, die Urlaubsvariante kostengünstig. Diese Form der mobilen Übernachtung liegt aktuell im Trend. Ein traditionsreicher Bestseller unter den Dachzelten ist der italienische Hersteller Autohome, der seit 1958 seine Produkte unter dem Markennamen „Maggiolina“ anbietet. Aufgebaut ist das Zelt in Windeseile, mit einer Kurbelmechanik wird der obere Teil der doppelten GfK-Schale angehoben, dazwischen spannen sich dann die Wände aus Zeltstoff. Profis nehmen für noch schnelleren Aufbau einen Akkuschrauber zur Hand. Mit rund 90 Kilogramm darf dieses Dachzelt allerdings nicht auf jedem Basisfahrzeug montiert werden, mit einem Preis von knapp 5000 Euro gehört es mit Abstand auch zu den kostspieligsten Angeboten auf dem Markt.
Ob Campwerk, Capaventure, James Baroud, Naturbummler oder Queedo, der Vielfalt und dem Ideenreichtum sind bei Dachzelten kaum Grenzen gesetzt. Manche Marken überdachen zum Beispiel den Eingang, damit der Innenraum bei Wind und Regen während des Einstiegs trocken bleibt, andere sorgen mit Lüftern und Luken im Dach für gute Lichtverhältnisse. Einschränkungen gibt es einzig beim Gewicht. Die zulässige Dachlast des Fahrzeugs ist dafür ausschlaggeben, sie liegt bei den meisten Limousinen zwischen 70 und 80 Kilogramm, bei Kombis und Kastenwagen bei 100 Kilogramm. Transporter dürfen zum Teil sogar 150 Kilogramm aufs Dach laden, den entsprechenden Dachträger vorausgesetzt. Allerdings ist dann der Weg über die Leiter hinauf in luftige Höhen schon ein kleines Abenteuer.
Beim Fahren mit dem Dachzelt ist zu beachten, dass der Energieverbrauch ähnlich wie bei der Nutzung einer Dachbox steigt. Zwar hat der Gesetzgeber kein Tempolimit für diese Art des Reisens vorgesehen, Fachleute empfehlen jedoch, eine Geschwindigkeit von 120 km/h nicht zu überschreiten. Denn die Last auf dem Autodach verlängert den Bremsweg und führt zu deutlich größeren Karosseriebewegungen in Kurven. Dies kann bei einem Ausweichmanöver fatale Folgen haben.
Dem großen Interesse an Dachzelten trägt der diesjährige Caravan-Salon in Düsseldorf vom 28. August bis 6. September Rechnung. In der Halle 7a sind nahezu alle Anbieter dieser Campingform versammelt und zeigen ihre neuesten Produkte. Tickets für die weltgrößte Caravaning-Messe kosten am Wochenende 20 Euro und werktags 18 Euro. Schüler, Studenten und ADAC-Mitglieder erhalten jeweils eine Ermäßigung von jeweils zwei Euro. (aum/mk)
Veröffentlicht am 30.07.2026
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