2026-06-23 16:01:00 Automobile

Nach leidvollen Jahren: Knaus Tabbert gibt wieder Gas

Carzoom.de
Fotos: Knaus Tabbert via Autoren-Union Mobilität

Mehrere Jahre kamen aus Jandelsbrunn viele schlechte Nachrichten von Knaus Tabbert. Entlassungen von Vorständen wegen des Verdachts der Bestechung, Schummeleien bei den Leergewichten der Reisemobile und ein Umsatzrückgang von 1,44 Milliarden Euro im Rekordjahr 2023 auf aktuell 950 Millionen Euro zeigten, wie sehr das Traditionsunternehmen in Schieflage geraten war. Jetzt jedoch soll die Umkehr erfolgen. Mit neuem Management, neuen Modellen bei Reisemobilen und Caravans sowie vielversprechenden Zukunftstechniken drückt die Marke wieder aufs Gaspedal und startet mit drei wichtigen Neuheiten in die kommende Saison.

Eine der Veränderungen betrifft die teilintegrierte Camper-Baureihe Sky TI. An die Stelle des Fiat Ducato ist der VW Crafter getreten, der als neues Basisfahrzeug mehr Komfort und die modernere Technik bietet. Das Design des Aufbaus wurde an die Linien des VW angepasst, das Flachrahmenchassis aus gleichem Hause hat eine um 20 Zentimeter verbreiterte Spur an der Hinterachse, was der Fahrstabilität zu Gute kommt. Der Radstand liegt bei knapp vier Metern, die Gesamtlänge des Sky TI 700 DEG macht 7,59 Meter aus. Das Grundmodell kommt mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen daher, wenn zwei Camper auf Reisen gehen dürfte das gerade so ausreichen. Geht eine Familie an Bord ist eine Auflastung dringend erforderlich, hier sind 4,1 oder 4,5 Tonnen möglich.

Der Wohnraum wird mit einer Face-to-Face-Sitzgruppe hinter den drehbaren Sitzen für Fahrer und Beifahrer ausgestattet, aus den beiden Sitzbänken werden für die Fahrt mit vier Personen zwei weitere gurtbewehrte Sitze. Im Heck finden sich zwei Einzel-Längsbetten, darunter wartet die Heckgarage auf Beladung, hier passen dank der üppigen Höhe, die das Tiefrahmenchassis erlaubt, auch Fahrräder mit hohen Lenkern hinein. Für den Betrieb mit vier Campern steht wie bisher auf Ducato-Basis ein Hubbett im vorderen Wohnbereich als Option zu Verfügung, das Panoramafenster, das unüblicherweise aus Echtglas hergestellt wird, sorgt nicht nur für Sternenblick, sondern dank der Aufstellfunktion auch für Belüftung.

Serienmäßig bekommt der Crafter einen Diesel-Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum und 140 PS (103 kW), kombiniert wird er mit einem achtstufigen Automatikgetriebe. Zum Start des Sky TI gibt es drei Grundrisse, den 650 MEG, den 700 DEG und den 700 DX mit einem Queensbett im Heck. Die Preisliste beginnt bei 99.900 Euro.

Obwohl die Zulassungsstatistiken der Wohnwagen in den letzten Jahren deutlich negativ waren, traut sich Knaus an die Premiere einer neuen Caravan-Baureihe, die im Luxussegment angesiedelt ist. Erfahrung damit hat der Hersteller mit der Tochtermarke Tabbert gesammelt, die seit je her der Inbegriff für Camping mit Stil und Komfort ist. Unter dem Markennamen Knaus geht nun das Modell Nordwind an den Start, das deutlich oberhalb des Bestsellers Südwind positioniert ist. Das Topmodell zeichnet ein neu geformtes Bugelement und ein ebenfalls neu gestaltetes Heckteil aus, beides gibt auch einen Ausblick auf die in den nächsten Jahren zu erwartenden Änderungen beim Südwind un der Sport-Serie.

Der neu geformte Gaskasten vorne ist so großzügig bemessen, dass hier nicht nur der Gasvorrat unterkommt, sondern auch noch Platz für den mobilen Abwassertank und ein Ersatzrad mit bis zu 17 Zoll Größe bleibt. Der Nordwind soll seinem Namen gerecht werden und auch beim Wintercamping ein molliges Zuhause sein. Hierfür hat Knaus das Kunststoffdach und Aluminium-Wände mit 33 Millimeter gegen Kälte und Hitze gedämmt, der Boden bekommt sogar eine 48 Millimeter starke Isolation. Zur Serienausstattung gehört die Warmwasserheizung des schwedischen Herstellers Alde, die auch den Fußboden temperiert und sowohl mit Gas als auch mit elektrische Energie betrieben werden kann.

Der vorerst einzige Einzelachser ist der 590 EU mit Einzelbetten im Bug und einer Rundsitzgruppe im Heck. Der 660 UDF und der 660 PXB nutzen eine Tandemachse unter dem Chassis, sind knapp 7,4 Meter lang und 2,5 Meter breit. Hier werden eine Rundsitzgruppe, eine Seitendinette, und französisches Bett im Heck geboten. Im PXB bekommt ein Bugküche, ein quereingebautes Queensbett, Rundsitzgruppe plus Couch und ein die gesamte Wagenbreite ausfüllendes Heckbad. Gekocht wird auf zwei Gasbrennern und einer Induktionsplatte, im PXB reinigt ein Aktivkohlefilter den Küchendunst, im 590 EU und im 660 UDF werden hierfür elektrische Ablufthauben genutzt. Zur Wahl steht obendrein eine Kombination aus Backofen, Mikrowelle und Heißluft-Fritteuse. Der 153 Liter große Kühlschrank mit Tiefkühlfach arbeitet mit einem Kompressor.

An den Zugwagen stellt der Nordwind eine Herausforderung. Mit einem maximal zulässigen Gewicht von 2500 Kilogramm kann im Falle des PXB nur schweres Gerät vor die Deichsel gespannt werden. Die beiden anderen Nordwind-Versionen liegen noch unter zwei Tonnen. Für sie gibt es noch keine Preisangaben, der PXB dagegen soll für knapp 50.000 Euro bei den Händlern stehen.

Bei der Tochtermarke Weinsberg wird der Bestseller Cara Compakt Edition Pepper für die neue Saison umfassend überarbeitet. Außerdem gesellt sich zu den bisherigen 600er-Grundrissen auf dem Caravan-Salon in Düsseldorf Ende August der 580 MEG. Der ist nur 6,30 Meter lang und damit die kompakteste Variante der Baureihe. Die beiden aufgefrischten Modelle 600 MF und 600 MEG mit Längsbett oder Einzelbetten und Schwenkbad messen 6,70 Meter in der Länge und 2,20 Meter in der Breite. Dank einer leicht angeschrägten Rückwand ist die Heckgarage im unteren Bereich nun zehn Zentimeter breiter. Ein neues Raumgefühl soll auch der angepasste Wohnbereich bieten. Das Schwenkbad-Prinzip nutzt dabei den verfügbaren Platz besser aus.

Die Sitzgruppe vorn hat vier Plätze, die Sitzbank lässt sich nach vorne ziehen, wodurch sich die Sitzfläche vergrößert und eine Mini-Couch für den kleinen Power-Napp entsteht. „Lümmelfunktion“ nennt Weinsberg diese Funktionsneuheit. Der Kompressor-Kühlschrank hat ein Volumen von 153 Liter, er gehört ebenso wie das Panoramadach in der Front zu Serienausstattung. Der günstige Einstiegspreis von 66.900 Euro täuscht jedoch, die Optionsliste ist lang. Traktionshilfe, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Markise, Ambientebeleuchtung innen, Zusatzlautsprecher, Aufstellfenster in der Hutze mit Insektenschutz, USB-Ladebuchsen, eine zweite Garagentür – alles will extra bezahlt werden. Realistisch gesehen legt der Kunde beim Kauf nochmals rund 10.000 Euro drauf. Womit der Pepper immer noch vergleichsweise günstig ist.

Umfassend sind die Veränderungen in der Geschäftsführung bei Knaus Tabbert. Überraschenderweise wurden sie erst einen Tag nach der Jahrespressekonferenz des Unternehmens bekanntgegeben, bei der ausschließlich die neuen Modelle im Mittelpunkt standen. Mehrheitsaktionär Wim de Pundert wird demnach in von seinem Posten als Vorstandschef in den Aufsichtsrat gehen.

Neuer Vorstandschef wird Thomas Nickel, der seit März als Transformationsmanager im Unternehmen ist. Dort unterstützt ihn Matjaz Grm, der bereits seit Januar 2025 als Berater im Vertrieb aktiv ist. Für die Finanzen ist weiterhin Radim Sevcik als Teil des Vorstands zuständig. (aum)

Veröffentlicht am 23.06.2026

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