2026-11-06 12:15:00 Automobile

Fahrbericht Mazda 6e: Automobile Augenweide mit kleinen Tücken

Carzoom.de
Fotos: Mazda via Autoren-Union Mobilität

An dieser Karosserie musste wirklich niemand mehr Hand anlegen. Der Mazda 6e ist mit seiner flachen Silhouette, der geschwungenen Dachlinie und dem markanten Heck immer noch eine automobile Augenweide. Den diesjährigen Titel „World Car Design of the Year“ trägt er schließlich nicht zufällig. Unter dem hübschen Blech war dagegen noch Luft nach oben. Zum Modelljahr 2027 bessert Mazda deshalb bei Batterie, Ladetempo, Fahrwerk und Software nach. Die gemeinsam mit Changan entwickelte Elektrolimousine soll nicht nur gut aussehen, sondern auch entspannter Strecke machen.

Immerhin hat das hierzulande erst vor anderthalb Jahren eingeführte Modell bislang „die Erwartungen mehr als erfüllt“, so Mazda-Deutschland-Chef Bernhard Kaplan. Mit rund 3700 Neuzulassungen bis Ende Oktober habe sich die Limousine zu einem wichtigen Volumenmodell im deutschen Mazda-Programm entwickelt. Am Ende des Jahres rechnet der Importeur mit 4200 Verkäufen, 2027 sollen es noch einmal so viele werden.

Im Mittelpunkt der Überarbeitung steht die neue Einheitsbatterie mit Lithium-Eisenphosphat-Zellen und 78 kWh Kapazität. Sie ersetzt die beiden bisherigen Elektro-Speicher und kommt auch im verwandten SUV CX-6e zum Einsatz. Mazda gibt für die Limousine bis zu 560 Kilometer WLTP-Reichweite und einen kombinierten Normverbrauch von 16,1 kWh je 100 Kilometer an. Damit entfällt die bisherige etwas schräge Wahl zwischen einem kleineren Akku mit brauchbarem Ladetempo und größerer Batterie mit enttäuschend niedriger Schnellladeleistung.

Jetzt sind maximal 200 kW möglich. Unter idealen Bedingungen soll der Ladestand damit in 24 Minuten von zehn auf 80 Prozent steigen. Eine Vorkonditionierung der Batterie während der Fahrt fehlt jedoch weiterhin, ebenso wie eine Wärmepumpe. Reichweite und Ladegeschwindigkeit könnten also bei winterlichen Temperaturen deutlich niedriger ausfallen. Gerade bei einem auf längere Reisen ausgerichteten Elektroauto sind das relevante Einschränkungen.

Bei unseren ersten Proberunden unter spanischer Sonne bei milden 18 Grad jedoch hinterließ der Antrieb einen sparsamen Eindruck. Auf hügeligen Stadt- und Landstraßen mit kurzem Autobahnabschnitten standen nach der ersten Runde 17,1 kWh je 100 Kilometer im Bordcomputer. Statt der versprochenen 560 Kilometer erscheinen damit rund 450 Kilometer unter günstigen Bedingungen und bei zurückhaltendem Autobahntempo realistisch.

An der Hinterachse arbeitet weiterhin ein Elektromotor mit 190 kW beziehungsweise 258 PS. Für den Standardsprint nennt Mazda jetzt 7,3 Sekunden, drei Zehntel weniger als zuvor, wie gehabt wird bei 175 km/h abgeregelt. Trotz überarbeiteter Fahrpedalkennlinie bleibt der 6e eher gelassener Gleiter als energischer Sportler. Der Pedalweg wirkt lang, ein klar definierter Kickdown fehlt. Der Sportmodus verbessert zwar das Ansprechverhalten, verwandelt die rund 2,1 Tonnen schwere Limousine aber deshalb immer noch nicht in einen Sportwagen. Passend dazu fällt das niedrige Geräuschniveau ins Ohr – oder auch nicht. Wind und Reifen bleiben angenehm im Hintergrund, auch auf schnelleren Abschnitten wirkt die Limousine wohltuend ruhig.

Spürbar fällt der Eingriff ins Fahrwerk aus. Die europäischen Entwickler haben Stoßdämpfer und Federraten überarbeitet sowie die elektrische Servolenkung neu kalibriert. Der 6e liegt dadurch satter, der Aufbau schwingt weniger nach und die Lenkung vermittelt mehr Verbindlichkeit. Auf hohen Bodenwellen und an Schlaglöchern reagiert das Auto allerdings weiterhin etwas hüftsteif. Ganz so geschmeidig, wie die Karosserie aussieht, federt sie leider nicht immer. Auf engen Straßen ist vor allem das hohe Gewicht zu spüren, mit dem der 6e bei flotter Fahrt deutlich über die Vorderachse schiebt. Wer anschließend kräftig Strom gibt, bringt Bewegung ins Heck, die das Stabilitätsprogramm jedoch blitzschnell und sanft einfängt.

Kräftiger zupacken kann nun auch die Rekuperation, sofern man sich durch die Menüs zur passenden Einstellung vorgearbeitet hat. Bis zum Stillstand fährt der 6e weiterhin nicht allein über das Fahrpedal. Beim Lösen der Bremse kriecht er wie ein klassischer Automatiker weiter. Das Bremspedal selbst wirkt etwas synthetisch und lässt einen eindeutig fühlbaren Druckpunkt vermissen.

Auch die elektronischen Helfer haben dazugelernt, allerdings nicht überall. Die erweiterte Lenkunterstützung funktioniert nun bis 160 km/h, der Spurhalter korrigiert tatsächlich etwas sanfter. Die Verkehrszeichenerkennung übernimmt gelegentlich unpassende Limits oder erkennt Vorgaben spät. Dazu stören wie immer die zahlreichen Aufmerksamkeitshinweise, auch wenn ihre Warntöne vergleichsweise weniger aufdringlich bleiben.

Innen überzeugen Verarbeitung und Materialanmutung. Die straff gepolsterten Sitze bieten guten Seitenhalt, die relativ hohe Position mit angewinkelten Beinen muss man mögen. Das Head-up-Display hilft, den Blick auf der Straße zu halten, zeigt allerdings keine Navigationshinweise von Apple CarPlay. Einige Symbole im Fahrerdisplay sind leider arg klein geraten.

Das zentrale Bedienproblem löst die Modellpflege jedoch nicht. Klimatisierung, Spiegel und Scheibenwischer verlangen weiterhin zu viel Getippe auf dem 14,6-Zoll-Touchdisplay. Mazda hat zwar Formulierungen, Sprachsteuerung und Sprachausgabe verbessert, die starke Menüorientierung lenkt nach wie vor ab. Nützlicher ist die überarbeitete Navigation: Sie zeigt Ladestationen samt Verfügbarkeit, empfiehlt passende Stopps und berechnet Routen dynamisch neu. Außerdem lässt sich festlegen, mit welcher Restladung eine Säule oder das Reiseziel erreicht werden soll. Der neue „Pet Comfort Mode“ hält für Haustiere während kurzer Abwesenheit die eingestellte Innenraumtemperatur.

Fürs Gepäck gibt es neben den 466 maximal 1074 Litern im Heck, praktische 72 Liter unter der Fronthaube. Darüber hinaus bietet Mazda als Zubehör eine elektrisch schwenkbare Anhängerkupplung für bis zu 1500 Kilogramm Anhängelast und einen Vehicle-to-Load-Adapter, der externe Geräte mit maximal 3,5 kW versorgt. Produziert wird im Gemeinschaftswerk mit Changan in Nanjing.

Überarbeitet wurde allerdings auch das Preisliste. Der Mazda 6e startet in der Ausstattung Takumi ab 47.490 Euro, 2590 Euro mehr als zuvor. Wobei darin neben der größeren Batterie und des flotteren Ladetempos zahlreiche Komfortfeatures wie Head-up-Display, Panorama-Glasdach, elektrische Heckklappe oder Soundsystem mit 14 Lautsprechern ab Werk verbaut sind. Neu im Programm sind Takumi Plus und die neue Ausstattung Homura Plus für jeweils 49.490 Euro. Letztere kombiniert schwarze Teil-Nappalederbezüge und Veloursledernachbildung mit roten Ziernähten, Mesh-Dekor und hochglanzschwarzen Außenakzenten.

Beim Takumi Plus können Käufer zwischen weißen und hellbraunen Bezügen wählen, ergänzt durch dunkle Holzoptik. Die Herstellergarantie läuft sechs Jahre bis maximal 150.000 Kilometer und deckt Material- sowie Herstellungsfehler ab; Verschleißteile bleiben ausgenommen. Bestellbar ist der neue Modelljahrgang ab sofort. (aum)

Daten Mazda 6e

Länge x Breite x Höhe (m): 4,92 x 1,89 x 1,49
Radstand (m): 2,90
Antrieb: Elektrisch, 190 kW (258 PS), Hinterradantrieb, Automatikgetriebe
Max. Drehmoment: 290 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 175 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 7,3 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 16,1 kWh
Batteriekapazität: 78 kWh
Reichweite (WLTP): max. 560 km
Max. Ladeleistung: 11 kW AC/ 200 kW DC
Leergewicht / Zuladung: 2090 kg / 425 kg
Kofferraumvolumen: 466-1074 Liter + 72 Liter (Frunk)
Anhängelast: 1500 kg
Preis: ab 47.490 Euro

Veröffentlicht am 06.11.2026

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