2026-06-30 11:10:00 Automobile

Unterfahrschutz an Lastwagen nahezu wirkungslos

Carzoom.de
Fotos: ADAC/Abgedreht via Autoren-Union Mobilität

Lastwagen, Anhänger und Auflieger müssen in Europa mit einem Unterfahrschutz ausgerüstet sein. Er soll verhindern, dass ein Pkw bei einem Auffahrunfall unter den Lkw rutscht. Diese Unfälle enden besonders häufig tödlich, da die Fahrgastzelle stark deformiert wird und Schutzsysteme wie Gurt oder Airbag nicht mehr schützen können. Trotz der gesetzlichen Regelung zeigen Daten der ADAC-Unfallforschung, dass solche Unfällenach wie vor relativ häufig vorkommen und bei denen laut Euro NCAP pro Jahr in der EU und Großbritannien rund 400 Menschen pro Jahr sterben. Mehrere Crashtests mit Beteiligung von ADAC, Euro NCAP sowie Partnern aus Schweden und USA zeigen jetzt: Der Unterfahrschutz, wie er nach aktueller Norm vorgeschrieben ist, hat nahezu keine Wirkung.

Im Test- und Technikzentrum des ADAC in Landsberg wurde ein Fahrzeug mit 56 km/h auf ein stehendes und über 18 Tonnen schweres Lkw-Gespann aufgefahren. Dabei riss die Verbindung des Unterfahrschutzes ab und er wurde nahezu unbeschädigt zur Seite herausgeschleudert. Das Auto tauchte unter den Anhänger und wurde bis zur B-Säule aufgerissen. Ein weiterer Test von Euro NCAP in Großbritannien zeigte das gleiche Bild: Auch in diesem Szenario versagte der Unterfahrschutz und die Ladefläche des Aufliegers bohrte sich in die Fahrgastzelle, wobei er den Fahrer direkt am Kopf getroffen hätte. Während in diesem Fall nur ein Dummy zu Schaden kam, hätte ein echter Mensch kaum eine Überlebenschance gehabt.

Die Tests wurden auch auf die Assistenzsysteme moderner Fahrzeuge ausgeweitet. In dem Vergleich mit sieben aktuellen Modellen und einem Lkw-Nachbau zeigt sich, dass viele Fahrzeuge bei geringen Geschwindigkeiten in der Lage sind, das Hindernis zu erkennen und rechtzeitig abzubremsen. Je höher die Geschwindigkeit aber wird, desto herausfordernder wird die Aufgabe für das Assistenzsystem: Bei Tempo 130 hätte keines der Assistenzsysteme eine Kollision vermeiden können und es käme zu folgenschweren Kollisionen.

Die Testpartner sehen aufgrund der Ergebnisse dringenden Handlungsbedarf. Der aktuelle Unterfahrschutz sei nachweislich nicht ausreichend, weshalb die Zulassungsvoraussetzungen auf UN-Ebene verschärft werden sollten, heißt es. Gleichzeitig seien Maßnahmen notwendig, um die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen zu unterstützen, damit Nutzfahrzeughersteller die Mehraufwände nicht auffangen oder an die Kunden weitergeben müssen.

Als Positivbeispiel dient die Entwicklung in den USA, wo bereits wirkungsvolle Unterfahrschutzsysteme im Einsatz sind. Untersuchungsergebnisse zeigen, dass die am Markt verfügbaren Lösungen in der Lage sind, die Energie bei einem Unfall aufzunehmen und ein Unterfahren des Fahrzeugs zu verhindern. ADAC-Erkenntnissen zufolge sind auch in Deutschland bereits Systeme im Einsatz, ein Unterfahren des Lkw am Stauende verhindern können. (aum)

Veröffentlicht am 30.06.2026

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