2026-02-11 11:01:00 Automobile

Diese Entwürfe machten Tobias Sühlmann zum neuen Porsche-Chefdesigner

Carzoom.de
Fotos: Autoren-Union Mobilität/Volkswagen

Tobias Sühlmann ist erst der fünfte Chefdesigner der Porsche-Geschichte, die 1948 mit dem ersten Sportwagen unter diesem Namen begann. Der Nachfolger von Michael Mauer, der 22 Jahre lang das Porsche-Erscheinungsbild verantwortete, kommt als Sportwagen-Spezialist von McLaren. Er hat jedoch auch schon im VW-Konzern Spuren hinterlassen.

Die Nachricht kam für viele völlig überraschend. Nach 22 Jahren als Chefgestalter in Zuffenhausen wurde Michael Mauer Ende Januar abberufen. Er war seit seinem Amtsantritt im Jahr 2004 für zahlreiche wichtige Fahrzeuge der Marke verantwortlich: etwa für die Überarbeitung des SUV-Modells Cayenne, für den etwas kleineren SUV Macan, für den Viertürer Porsche Panamera, den Supersportler 918 Spyder oder auch den Porsche Taycan, das erste E-Auto der Zuffenhausener. Mauers Nachfolger ist der 46-jährige Tobias Sühlmann. Er kommt, genau wie der neue Porsche-Chef Michael Leiters, der zum Jahreswechsel auf den Chefsessel bei Porsche rückte, von der britischen Sportwagenmarke McLaren.

Auffällig sind die Worte, mit denen der neue Porsche-CEO den neuen Chefdesigner Ende Januar begrüßte: „Tobias Sühlmann kann auf einer einzigartigen Design-Philosophie aufbauen. Mit seiner Erfahrung im Design von Sport- und Supersportwagen wird er das Profil von Porsche weiter schärfen.“ Voller Fokus also auf die sportlichen Modelle bei der Wahl des überhaupt erst fünften Designers in der Porsche-Geschichte. Das ist durchaus interessant. Denn eigentlich spielen bei Porsche längst nicht mehr die Sportwagen die zentrale Rolle, sondern die SUVs. Die Modelle Macan und Cayenne, die beiden derzeit verkaufsstärksten Baureihen der Marke, wurden jedoch gerade noch von Vorgänger Mauer überarbeitet.

Dass die SUV-Arbeiten vorerst abgeschlossen sein dürften, wird Sühlmann wohl freuen. Schließlich waren es insbesondere rasante Typen, die er in seinem bisherigen Berufsleben verantwortete. Bei McLaren, seiner letzten Station vor dem Wechsel zu Porsche zum 1. Februar 2026, gilt der Solus GT als sein wichtigstes Werk: ein Einsitzer-Supersportwagen mit Zehnzylinder-V-Motor und 840 PS Leistung, von dem lediglich 25 Exemplare zu einem Preis von jeweils rund vier Millionen Euro ausgeliefert wurden. Mit verschiebbarer Glaskanzel sowie maßangefertigtem Einzelsitz – Designer Sühlmann konnte sich bei dem Projekt quasi nach Belieben austoben.

In seiner Karriere, die nach dem Studium an der Hochschule Pforzheim begann, entpuppte sich Sühlmann als Mann fürs das besonders Exklusive. Nach einigen Jahren bei VW war er ab 2017 etwa als Head of Exterieur Design bei der Luxusmarke Bugatti tätig. Anschließend wechselte er zur britischen Nobelmarke Aston Martin, wo er unter anderem für den auf 999 Exemplare limitierten Supersportwagen Valhalla, der auch im James-Bond-Abenteuer „Keine Zeit zu sterben“ auftritt, das Exterieur-Design verantwortete. Zudem wirkte er an einigen Studienfahrzeugen der Briten mit, etwa dem SUV-Modell Lagonda All Terrain Concept und dem Vanquish Vision Concept, das als Herausforderer für den Ferrari 296 GTB konzipiert wurde.

Das Abenteuer Aston Martin ging für Sühlmann zu Ende, Großbritannien aber blieb er treu. Es zog ihn nach einem ersten, kurzen Intermezzo bei McLaren zur VW-Konzernmarke für besonders luxuriöse Fahrzeuge: zu Bentley. Dort arbeitete er ab 2021 zunächst unter dem heutigen VW-Chefdesigner Andreas Mindt, bis der seinen neuen Job in Wolfsburg antrat und Sühlmann ihn als Leiter des rund 50-köpfigen Bentley-Design-Teams ablöste. Sühlmann kennt also nicht nur den Porsche-Chef Michael Leiters aus der gemeinsamen Zeit bei McLaren, er ist auch mit dem aktuell wichtigsten Designer im VW-Konzern vertraut.

Bei Bentley haben Mindt und Sühlmann gemeinsam das Luxuscoupé Mulliner Batur auf die Räder gestellt. Vom Continental GT, auf dem das auf lediglich 18 Exemplare limitierte Modell basiert, ließen sie nur wenig übrig. Aus den für Bentley typischen, runden Frontlichtern wurden schmale, an das menschliche Auge erinnernde Scheinwerfer. Die Rücklichter wurden zu Schlitzen verengt. Mit zudem auffällig breiten Radhäusern und der durchgängigen Schulterlinie wich Sühlmann als leitender Exterieur-Designer vom typischen Bentley-Stil ab. Der Entwurf soll nun als Blaupause für die zukünftigen batterieelektrischen Fahrzeuge von Bentley genutzt werden.

Fraglich ist, ob Sühlmann von dieser Art Elektro-Stilistik auch bei seinem neuen Arbeitgeber profitieren wird. Denn bei Porsche steht man den ursprünglichen Elektrifizierungsplänen für die Baureihen Cayman und Boxster, deren Überarbeitung in Kürze ansteht, mittlerweile skeptisch gegenüber. Ein elektrischer 911er unter der Feder von Sühlmann dürfte aktuell sogar noch schwerer vorstellbar sein.

Bei Porsche ist es – anders als bei seinen bisherigen Stationen als verantwortlicher Designer – nun nicht Sühlmanns Aufgabe, mit aufsehenerregenden Unikaten oder Kleinstserienfahrzeuge den Geschmack weniger Wohlhabender zu treffen. Nun muss er Autos für breitere Kundenkreise kreieren. Schließlich verkaufen sich Porsche-Baureihen wie der Macan oder auch der 911er jeweils häufiger als alle Fahrzeuge von Aston Martin, Bentley und McLaren zusammen.

Das Gute: Gänzlich neu sind diese Gefilde der Autoindustrie für Sühlmann nicht. Schließlich war er noch bevor er zu den britischen Nobelmarken wechselte, auch als Designer bei VW tätig. Er verantwortete unter anderem das Exterieur des VW Arteon, der im Jahr 2017 vorgestellt wurde, und mit dem VW eine stilbewusste Kundschaft anzusprechen versuchte, der ein VW Passat zu beliebig gestaltet war. Zudem war Sühlmann auch am Design der dritten Generation des VW Touareg beteiligt, die seit 2018 produziert wird. Die Fertigung des Arteon wurde bereits eingestellt, der Touareg wird in diesem Jahr auslaufen. Klar ist: Bei der traditionsbewussten Marke Porsche werden Sühlmanns Entwürfe für längere Zeit Anklang finden müssen. (aum)

Veröffentlicht am 11.02.2026

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