Opel: Kompetenzzentrum für die Brennstoffzelle
Der Transporter mit Brennstoffzellenantrieb basiert auf dem batterie-elektrischen „International Van of the Year 2021“, dem Vivaro-e, und nutzt die Brennstoffzelle als emissionsfreien Antrieb. Die Karbonfaser-Tanks des Transporters lassen sich in drei Minuten mit Wasserstoff an den rund 100 Tankstellen in Deutschland volltanken, was sich in eine Reichweite von 400 Kilometer übersetzt. Dank der kompakten Technik bleibt das Ladevolumen des Transporters erhalten und reicht je nach Version von 5,3 bis 6,1 Tonnen.
Unterstützt wird der Brennstoffzellen-Antrieb von einer 10,5 kWh starken Lithiumionen-Batterie unter den Vordersitzen. Über das Hybridsystem wird die Bremsenergie zurückgewonnen werden und über den Elektromotor als Generator in die Batterie gespeist. Der vollgeladene Akku optimiert die Reichweite um 50 Kilometer. Der Vivaro-e Hydrogen erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h.
Der Vivaro-e Hydrogen wird in einer ersten Serie von 2000 Exemplaren von Ende des Jahres an bei Opel Special Vehicles (OSV) in Rüsselsheim produziert. „Das Interesse der Kunden ist bereits sehr groß“, erklärt Lars Peter Thiesen, der die Brennstoffzellen-Entwicklung in Rüsselsheim leitet. Und: „Bei uns geht es nicht um ein entweder oder, sondern darum, den Elektroantrieb sinnvoll zu ergänzen, wo es für den Kunden am besten passt.“ Der Vivaro-e Hydrogen kann für weniger als 600 Euro pro Monat im Leasing übernommen werden.
Am Opel-Stammsitz in Rüsselsheim befindet sich das globale Kompetenzzentrum Wasserstoff und Brennstoffzellen für den Stellantis-Konzern, wo seit inzwischen mehr als 20 Jahren an der Entwicklung von Fahrzeugen mit dieser Antriebstechnik geforscht wird. „Die Brennstoffzelle bietet Unternehmen eine emissionsfreie Technologie, die überwiegend lange Strecken zurücklegen und auf kurze Tankzeiten angewiesen sind“, erklärt Thiesen. Der Wasserstoff-Vivaro wird zunächst in Deutschland und Frankreich angeboten. „Den Service“, so Thiesen, „übernehmen zentrale Stationen oder spezielle Ingenieurtrupps.“
Das Rüsselsheimer Kompetenzzentrum entstand bereits im Jahr 1997 in Mainz-Kastel. Das Ergebnis der Forschungstätigkeiten war im Jahr 2000 das erste Brennstoffzellen-Fahrzeug der Marke. Der Hydrogen1 basierte auf dem Zafira der ersten Generation und diente vor allem als Versuchsträger, um das Konzept zu überprüfen. „Wir haben ihn damals Politikern, Medien und anderen wichtigen Interessengruppen in Europa und auf der ganzen Welt vorgestellt, um ihnen die Möglichkeiten der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologien zu vermitteln“, erinnert sich Thiesen, der von Anfang an an der Entwicklung beteiligt war. Der Hydrogen wurde unter anderem bei den Olympischen Sommerspielen im australischen Sydney als emissionsfreies Begleitfahrzeug für die Marathonläufe eingesetzt.
Bereits im Jahr 2001 folgte der Hydrogen3 als weltweit erstes Fahrzeug mit 700-bar-Speichertechnologie auf Basis des Zafira A. Das Brennstoffzellen-Antriebssystem war als Modul konzipiert, so dass es wie ein „normaler Motor“ in den Van montiert werden konnte. Eine Flotte von 20 Fahrzeugen bewährte sich im Alltag, und am Ende der Testphase beschloss Opel, die 700-bar-Speichertechnologie für alle künftige Brennstoffzellen-Modelle zu übernehmen. Inzwischen wird diese Technik weltweit von allen Herstellern angewendet, die sich mit diesem Antrieb beschäftigen.
Im Frühjahr 2004 endete in Portugal am westlichsten Punkt Europas nach 9696 Kilometern der „Fuel Cell Marathon“, der am Nordkap gestartet war. Der Wasserstoff-Zafira legte die Strecke ohne nennenswerte Probleme zurück. Ein Jahr später fuhr der ehemalige Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen den Wagen auf den ersten Platz bei der Rallye Monte Carlo für alternative Antriebe.
Die nächste Generation, der Hydrogen4 auf Chevrolet-Basis der damaligen Konzernmutter General Motors, leistete 93 kW und kam auf eine Reichweite auf 440 emissionsfreie Kilometer. 30 Fahrzeuge nahmen im Jahr 2008 in Deutschland im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP) am weltweit größten Feldversuch für Brennstoffzellen-Fahrzeuge teil.
Die über 20 Jahre gewonnen Erfahrungen dienen heute Opel und der Muttergesellschaft Stellantis als Basis für die Weiterentwicklung dieser Technologie. Aktuelles Ergebnis sind die von Stellantis vorgestellten Fahrzeuge und der Opel Vivaro-e Hydrogen, die Flottenkunden angeboten werden.
Allerdings benötigt die Verbreitung der Brennstofftechnologie noch einen deutlichen Ausbau der europäischen Infrastruktur. Deutschland hat dabei eine Pionierrolle übernommen und ein Netz von rund 100 Wasserstofftankstellen aufgebaut, das in den kommenden Jahren weiter wachsen soll. (aum/ww)
Veröffentlicht am 22.10.2021
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