2026-04-24 16:31:00 Automobile

Opel GSE 27FE: „Genau der richtige Zeitpunkt, um in die Formel E einzusteigen“

Carzoom.de
Fotos: Porsche via Autoren-Union Mobilität

Das Timing hätte nicht besser sein können. Die Regenwolken über dem Circuit Paul Ricard im südfranzösischen Le Castellet haben sich verzogen, die warme Nachmittagssonne scheint nun auf die Start- und Zielgerade der Rennstrecke, als ein Surren immer lauter wird. Dann jagt ein gelber Blitz über den Asphalt. „War das ein Flugzeug?“, raunt einer der am Streckenrand versammelten Journalisten. Nein, das war ein Opel. Genauer gesagt der Opel GSE 27FE – der neue Rennwagen, mit dem die Marke mit dem Blitz in der nächsten Saison der FIA-Weltmeisterschaft Formel E an den Start gehen wird. Am Steuer: Sophia Flörsch.

Anfang April hatte Opel die 25-jährige Münchnerin zur ersten Test- und Entwicklungsfahrerin des Formel-E-Teams ernannt. Nun konnte Flörsch zum ersten Mal im Fahrzeug Platz nehmen. Auf diesen Moment habe sie sich viele Stunden im Simulator intensiv vorbereitet, berichtet sie vorher: „Diese Arbeiten werden immer wichtiger im Motorsport. Das merke ich auch daran, dass mittlerweile sieben Ingenieure hinter mir stehen, wenn ich mit dem Simulator trainiere.“ Die heutige Fahrt ist nur ein erster Eindruck, sie dient Demonstrations- und PR-Zwecken. Anfang Mai beginnt Opel mit den offiziellen Testfahrten. Flörsch soll dann den Ingenieurinnen und Ingenieuren dabei helfen, bis Saisonstart Ende des Jahres ein konkurrenzfähiges Auto auf die Räder zu stellen.

Zu verantworten hat das Rennprojekt Jörg Schrott, der Teamchef des neuen Opel GSE Formula E Teams. Er ist ein erfahrener Motorsport-Recke. 1997 heuerte er bei Opel an, seit 2012 verantwortet er alle Motorsport-Aktivitäten der Marke. Er ist überzeugt: „Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, um in die Formel E einzusteigen“, sagt er.

Warum gerade jetzt? Das liegt am Wagen, mit dem Flörsch auf der Rennstrecke unterwegs ist. Die Formel E stellt allen Teams vor Saisonbeginn eine Art Fahrzeuggrundgerüst zur Verfügung: Batterie, Chassis, Reifen und Leistungsvermögen sind somit für alle Teams gleich. Und zur neuen Saison startet die Formel E mit einer neuen Fahrzeuggeneration – der GEN4.

Die Veranstaltung in Le Castellet ist daher nicht nur für Opel der Beginn einer neuen Ära. Die Formel E hat eingeladen, um der Öffentlichkeit erstmals einen Vorgeschmack auf die Action in der kommenden Saison zu gewähren. Auch andere Hersteller, etwa Porsche und Jaguar, sind der Einladung gefolgt und lassen ihre Zukunfts-Rennwagen auf dem Circuit Paul Ricard auf die Strecke. „Das Auto ist ein Gamechanger“, sagt Schrott über die GEN4-Generation. Der neue Renner verfügt über einen permanenten Allradantrieb und bis zu 600 kW (816 PS) Leistung. Im Vergleich zum Auto, das bis dato in der Formel E zum Einsatz kommt, ist das eine Steigerung von 71 Prozent. Die GEN4-Fahrzeuge erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 335 km/h. Den Sprint von 0 auf 100 km/h meistern die neuen Renner in gerade mal 1,8 Sekunden. Damit heftet sich die Elektro-Rennserie an die Fersen der Formel 1, nach wie vor die Motorsport-Königsklasse. „Die GEN4-Fahrzeuge überstrahlen alles, was bisher im Elektro-Motorsport passiert ist“, meint Schrott.

Überstrahlen ist insbesondere beim Opel GSE 27FE durchaus wörtlich zu verstehen. Denn der Wagen ist mit einer grellen neongelb-schwarzen Folierung überzogen. Der Opel-Renner zieht damit viele Blicke auf sich. Und die Erwartungshaltung ist durchaus hoch. Schließlich kann Opel auf eine lange Motorsporthistorie verweisen. Die Marke blickt unter anderem auf große Erfolge im Rallye-Sport zurück. „Wir wollen auffallen. Das tun wir nicht, wenn wir auf Platz 10 landen“, formuliert Opel-Teamchef Jörg Schrott einen klaren Anspruch.

Um aufzufallen, braucht es jedoch noch etwas, das der Formel E gerade in Deutschland fehlt: Interesse. Die Rennen der Elektro-Rennserie werden hierzulande vom Nischensender DF1 übertragen. Knapp 40.000 Menschen schalten dort in der Regel ein. Bei der Formel E ist man optimistisch, dass die neuen GEN4-Fahrzeuge mit den beeindruckenden Leistungsdaten das Interesse steigern werden. Und auch Opel leistet dazu möglicherweise einen Beitrag. Denn Pilotin Sophia Flörsch, die bereits in der Formel 4, der Formel 3 und der DTM an den Start ging und als erste Frau Punkte in der Formel 3 einfuhr, hat eine große Fangemeinde. Allein auf der Social-Media-Plattform Instagram hat sie mehr als 800.000 Follower. Anders gesagt: Ein Beitrag von Flörsch erreicht dort potenziell mehr Menschen als die Formel E in Deutschland derzeit in einer gesamten Saison. Einblicke in ihren Formel-E-Alltag dürfte es künftig regelmäßig geben. Spätestens wenn die offiziellen Testfahrten beginnen. (aum)

Veröffentlicht am 24.04.2026

Marken & ModelleElektromobilitätMotorsportUnternehmenOpelPersonenOpel GSE 27FEFormel ENext Gen 4Jörg SchrottSophia Flörsch


 
Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbedingungen, sowie kontaktiert zu werden.Mit (*) markierte Felder sind Pflichtfelder.